Reformation

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Reformation

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Re|for|ma|ti|on ‚Ć©f. 20‚Ć™
I ‚Ć©unz.; i.¬†e.¬†S.‚Ć™ die durch Luther, Zwingli u. Calvin ausgel√∂ste Bewegung zur Erneuerung der Kirche, wodurch die abendl√§nd. Kircheneinheit gesprengt wurde u. neue, vom Papst unabh√§ngige, evangelische Kirchen (protestantische, reformierte Kirche) entstanden; Ggs Gegenreformation
II ‚Ć©z√§hlb.; i.¬†w.¬†S.‚Ć™ Erneuerung, Neugestaltung
[<lat. reformatio ‚ÄěUmgestaltung, Erneuerung‚Äú; zu reformare; ‚Üí reformieren]

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Re|for|ma|ti|on, die; -, -en [lat. reformatio = Umgestaltung, Erneuerung, zu: reformare, ‚ÜĎ reformieren]:
1. <o. Pl.> religi√∂se Erneuerungsbewegung des 16. Jahrhunderts, die zur Bildung der evangelischen Kirchen f√ľhrte.
2. (bildungsspr. veraltend) Erneuerung, geistige Umgestaltung, Verbesserung.

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I
Reformation
 
[von lateinisch reformatio ¬ĽUmgestaltung¬ę, ¬ĽErneuerung¬ę] die, -/-en, im weiteren Sinn jeder Versuch, eine Gemeinschaft, Institution oder √Ąhnliches durch R√ľckgriff auf ihre Urspr√ľnge in ihrem Wesen zu erneuern, wie z. B. die sp√§tmittelalterlichen Bem√ľhungen um eine ¬ĽReformation der Kirche an Haupt und Gliedern¬ę (Reformkonzile) oder um eine ¬ĽReformation des Reiches¬ę (Reformatio Sigismundi). Im engeren Sinn die durch M. Luther ausgel√∂ste Bewegung, die als zun√§chst innerkirchliche Bestreben um geistliche Erneuerung die Wiederherstellung einer dem Evangelium gem√§√üen Kirche anstrebte, in der nachfolgenden Entwicklung jedoch zur Aufl√∂sung der kirchlichen Einheit der lateinischen (abendl√§ndischen) Kirche, zur Herausbildung eigenst√§ndiger ¬Ľevangelischer¬ę Kirchen und Gemeinschaften (lutherische Kirchen; reformierte Kirchen) und zur Formierung des Protestantismus als christliche Konfession f√ľhrte. Als Bezeichnung dieser historischen Entwicklung ist der Begriff Reformation erstmals 1688 bei V. L. von Seckendorff nachweisbar, der den ¬ĽLutheranismus¬ę der ¬Ľreformatio religionis D. Martini Lutheri¬ę gleichsetzte.
 
 Ursachen
 
Voraussetzungen der Reformation waren die Krisen des Sp√§tmittelalters und der beginnenden Renaissance: das Abendl√§ndische Schisma, die √úberspannung des p√§pstlichen Herrschaftsanspruchs und die Vernachl√§ssigung des geistlichen Amtes durch die Renaissancep√§pste, die Finanzpraktiken der Kirche, hier Anfang des 16. Jahrhunderts besonders der Ablasshandel (Ablass), eine von der Bibel entfernte und zum Teil dogmatisch erstarrte sp√§tscholastische Theologie (Scholastik) und die mangelnde theologische Bildung gro√üer Teile des Klerus. Die Klage √ľber die kirchlichen Missst√§nde (Gravamen) hatte zwar zu vielf√§ltigen Reformversuchen, doch nicht zu deren Beseitigung gef√ľhrt. Neu setzte die Kritik des Humanismus an der Lebensf√ľhrung des geistlichen Standes ein; diese f√ľhrte, ebenso wie der Individualismus der Mystik, zu einer schleichenden Erosion der kirchlichen Autorit√§t und verst√§rkte die Neigung, an die Urspr√ľnge des Christentums anzukn√ľpfen, was durch die philologischen Studien der Humanisten gef√∂rdert wurde. Die breite Wirkung der Reformation ergab sich auch aus der Reibung zwischen den aufstrebenden St√§dten und der Kirche sowie aus dem Erstarken des Landesf√ľrstentums, das seinen Einfluss auf die Kirche zu steigern suchte. Kam in vielen volkst√ľmlichen Flugschriften gegen Papst und Klerus die soziale Unzufriedenheit der Laien, die Priester und M√∂nche als Nichtstuer ansahen, zum Ausdruck, so f√∂rderte die Erfindung des Buchdrucks die Verbreitung dieser Gedanken.
 
 
Als Beginn der Reformation wird traditionell die Ver√∂ffentlichung der 95 Thesen M. Luthers √ľber den Ablass (31. 10. 1517) angesehen. Diese von Luther als Aufruf zu einer akademischen Disputation gedachten Thesen fanden ein f√ľr ihn v√∂llig √ľberraschendes gewaltiges Echo in der √Ėffentlichkeit.
 
Die Fr√ľhphase der Reformation (1517-21) war gekennzeichnet durch das √∂ffentliche Auftreten Luthers, die Herausbildung und Formulierung seiner reformatorischen Lehren, den eskalierenden Konflikt zwischen ihm und dem Papsttum sowie die schnelle Ausbreitung der lutherischen Ideen und endete mit dem Kirchenbann gegen Luther und seine Anh√§nger (1520) sowie der Verh√§ngung der Reichsacht durch das Wormser Edikt (1521). Zugleich wurden in dieser Phase viele der sp√§ter wichtigsten Reformatoren f√ľr das Anliegen einer grundlegenden Reformation der Kirche gewonnen.
 
Ungeachtet der Reichsacht breitete sich die reformatorische Bewegung in den folgenden Jahren (1521-25) aus. Geistige Unterst√ľtzung erhielt die Reformation durch die Humanisten (Erasmus); politisch verbanden zeitweilig antir√∂misch-nationale (die Reichsritterschaft) und sozialrevolution√§re Kr√§fte (die aufst√§ndischen Bauern; Bauernkrieg) ihre Anliegen mit dieser Bewegung. Unterst√ľtzung fand die Reformation durch das Stadtb√ľrgertum und verschiedene Reichsf√ľrsten (v. a. durch Kurf√ľrst Friedrich III., den Weisen, von Sachsen), ihre Ausbreitung als eine Bewegung ¬Ľvon unten¬ę erfolgte jedoch v. a. durch das Wirken von zahlreichen umherziehenden Predigern. In diese Phase fallen auch die ersten theologischen Auseinandersetzungen innerhalb der reformatorischen Bewegung. So entwickelte sich v. a. in der Schweiz, von U. Zwingli ausgehend, eine besonders im Abendmahlsverst√§ndnis von den Wittenberger Theologen um Luther (P. Melanchthon, N. von Amsdorf, J. Bugenhagen, J. Jonas) sich unterscheidende reformatorische Gruppierung. Diese stand unter der Bezeichnung ¬ĽReformierte¬ę nach dem Scheitern vielf√§ltiger Ausgleichsbem√ľhungen (u. a. vonseiten der Stra√üburger Reformatoren M. Bucer, W. Capito und C. Hedio) seit der Mitte des 16. Jahrhunderts zusammen mit dem von J. Calvin gepr√§gten Kalvinismus in Deutschland dem Luthertum gegen√ľber. Daneben entstanden auf dem Boden der Reformation auch spiritualistische Bewegungen, deren Fr√∂mmigkeit und Theologie im Allgemeinen stark mystisch und durch ein prophetisches Sendungsbewusstsein gekennzeichnet war. Von Luther abgelehnt und als Schw√§rmer verurteilt, verbanden sie die theologischen Anliegen der Reformation mit sozialen und politischen Anliegen (z. B. T. M√ľntzer), aber auch mit noch radikaleren Forderungen nach der Wiederherstellung des urspr√ľnglichen Christentums (besonders T√§ufer und Schwenckfelder). Gegen√ľber den spiritualistisch-reformatorischen Bewegungen, die von der neueren Kirchengeschichtsschreibung auch als ¬Ľlinker Fl√ľgel der Reformation¬ę bezeichnet werden, grenzte sich Luther 1525 entschieden ab, was in besonderer Weise in seiner Haltung gegen√ľber M√ľntzer und den aufst√§ndischen Bauern zum Ausdruck kam.
 
Nach 1525 war die Reformation ausschlie√ülicher als zuvor eine Sache der Landesherren (¬ĽF√ľrsten-R.¬ę). Sie wurde jetzt in den Territorien durch von der Obrigkeit geleitete Kirchen- und Schulvisitationen durchgef√ľhrt, erstmals 1526 in Kursachsen. Es entstanden die evangelischen Landeskirchen, wobei der Landesherr im Rahmen des von ihm ausge√ľbten landesherrlichen Kirchenregiments als so genannter ¬ĽNotbischof¬ę an die Spitze der Kirche seines Landes trat (Summepiskopat). Infolge des zunehmenden Einflusses der Landesherren auf die Kirchenangelegenheiten und durch die materiellen Gewinne aus der S√§kularisation erfuhren die deutschen Territorien einen erheblichen Machtzuwachs. Kirchlich f√ľhrte allerdings der Abendmahlsstreit zwischen Luther auf der einen und Zwingli und Calvin auf der anderen Seite zu einer inneren Spaltung des Protestantismus, die im Grundsatz erst im 20. Jahrhundert mit dem Abschluss der Leuenberger Konkordie f√ľr deren Mitgliedskirchen beigelegt werden konnte.
 
Die theologischen Grundlagen der Reformation wurden erstmals 1530 in dem auf dem Augsburger Reichstag vorgelegten Augsburgischen Bekenntnis und, in Anlehnung daran, f√ľr den reformierten Zweig der Reformation im Vierst√§dtebekenntnis der St√§dte Konstanz, Lindau (Bodensee), Memmingen und Stra√üburg niedergelegt, nachdem die sich zur Reformation bekennenden Reichsst√§nde 1529 auf dem Reichstag in Speyer gegen eine Majorisierung in Glaubensdingen protestiert hatten (Protestation). Da sich Karl V. auf dem Augsburger Reichstag der Reformation versagte, ihr aber aus au√üenpolitischen Gr√ľnden (Kampf gegen Frankreich und das Osmanische Reich) und wegen der mangelnden Unterst√ľtzung durch die katholischen Reichsst√§nde, die einen zu m√§chtigen Kaiser ebenso f√ľrchteten wie die evangelischen, nicht entgegentreten konnte, kam es zur konfessionellen Spaltung des Reichs. Die Protestanten schlossen sich 1531 im Schmalkaldischen Bund zusammen, und Karl V. musste die Reformation de facto anerkennen.
 
Um 1540 schien die Reformation im ganzen Heiligen R√∂mischen Reich zu siegen. Nachdem sich schon eine gro√üe Zahl von weltlichen Reichsst√§nden zu ihr bekannt hatte und bereits 1525 der Ordensstaat Preu√üen in ein weltliches Herzogtum umgewandelt worden war, standen jetzt auch andere geistliche F√ľrstent√ľmer vor der S√§kularisation. Selbst ins habsburgische √Ėsterreich drang die Reformation unter dem Schutz der Landst√§nde ein; nur das straff zentralistisch verwaltete Bayern verschloss sich ihr. F√ľr das Schicksal der Reformation im Reich wurden die Jahre bis 1555 entscheidend. Nachdem der Kaiser durch einen Friedensschluss mit Frankreich (1544) freie Hand gewonnen und die evangelischen F√ľrsten in Sicherheit gewiegt hatte, gelang es ihm, die protestantischen St√§nde 1547 im Schmalkaldischen Krieg niederzuwerfen und damit den Fortbestand der Reformation im Reich infrage zu stellen. Das auf dem H√∂hepunkt der kaiserlichen Machtstellung 1548 verf√ľgte Augsburger Interim sollte einen Ausgleich in der Glaubensfrage vorbereiten. Der Triumph der kaiserlichen Politik wurde jedoch zunichte gemacht, als sich die meisten Reichsf√ľrsten gegen die Steigerung der kaiserlichen Macht erhoben und den Passauer Vertrag (1552) erzwangen. Nach dem Verzicht Karls V. auf die Leitung der deutschen Angelegenheiten wurde 1555 im Augsburger Religionsfrieden das Augsburg. Bekenntnis von K√∂nig Ferdinand I. reichsrechtlich anerkannt. Die weltlichen Reichsst√§nde (die Landesherren) - nicht die Untertanen - erhielten das Recht der freien Religionswahl (cuius regio, eius religio). Die geistlichen F√ľrstent√ľmer wurden in ihrem Besitzstand gesichert (Reservatum ecclesiasticum). Damit war die religi√∂se Spaltung des Reiches rechtlich anerkannt.
 
Nach dem Augsburger Religionsfrieden wurde die lutherische Reformation erneut durch inneren dogmatischen Streit geschw√§cht (Konkordienformel). Zugleich gewann der Kalvinismus, in Oberdeutschland ankn√ľpfend an auf Zwingli zur√ľckgehende Tendenzen der fr√ľhen Reformation, auch in Deutschland unter der Bezeichnung ¬Ľreformiert¬ę an Einfluss. Im 16. Jahrhundert breitete sich die Reformation in ganz Europa aus. Die katholische Kirche leitete in Reaktion darauf und theologische Abgrenzung zu den Positionen der Reformation mit dem Konzil von Trient (1545-63) ihrerseits die Kirchenreform (katholische Reform) ein. Versuche, die Entwicklung umzukehren, hatten im Rahmen der Gegenreformation, deren blutigen H√∂hepunkt der Drei√üigj√§hrige Krieg (1618-48) bildete, in Teilen Deutschlands und Europas Erfolg (gewaltsam v. a. in B√∂hmen), erreichten jedoch ihr Hauptziel, die vollst√§ndige Rekatholisierung Europas, nicht. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen wurden 1648 mit dem Abschluss des Westf√§lischen Friedens beendet, in dem der Augsburger Religionsfriede erneut anerkannt und auf die Reformierten als die dritte christliche Konfession (neben Katholiken und Lutheranern) ausgedehnt wurde.
 
Au√üerhalb des Heiligen R√∂mischen Reichs breitete sich die Reformation v. a. in Skandinavien und im Baltikum aus. 1536 f√ľhrte der d√§nische Reichstag die lutherische Reformation als alleinige Staatsreligion ein. In Norwegen und Island setzte sich die Reformation im Laufe des 16. Jahrhunderts allm√§hlich durch. In Schweden bildete sich nach dem Reichstag von V√§ster√•s (1527) eine lutherische Nationalkirche. Im schwedischen Finnland f√ľhrte M. Agricola Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation ein; in Livland wurde sie seit 1554 gesichert. Starke Verbreitung fand die Reformation auch in Ungarn und Polen. In England erhielt sie in der Kirche von England eine eigene Pr√§gung. Ein selbstst√§ndiger Typ entstand auch in der im 16. Jahrhundert nominell noch zum Reich geh√∂renden Schweiz durch Zwingli. Eine Phase der Stagnation in der Schweizer Reformation nach Zwinglis Tod 1531 wurde durch Calvin √ľberwunden, der sie seit 1536 zunehmend pr√§gte. Die vorherrschende Form der Reformation in West- und Nordwesteuropa (v. a. Niederlande und Schottland) wurde der Kalvinismus, der, wenn es ihm auch nicht gelang, Frankreich zu gewinnen (Hugenotten), im Gefolge der englischen und niederl√§ndischen kolonialen Expansion weltweite Verbreitung fand.
 
 Bedeutung
 
Die Reformation ist zusammen mit Renaissance und Humanismus Bestandteil eines allgemeinen Kulturwandels, der nicht nur das geistig-religi√∂se, sondern auch das wirtschaftlich-soziale und das politische Leben tief greifend ver√§nderte. Die Reformation ist daher nicht allein von kirchlicher Bedeutung. Ihr entspricht die √úberwindung der Uniformit√§t mittelalterlichen Glaubens und Denkens hin zur Pluralit√§t der nach der Wahrheit fragenden Kr√§fte, die letztlich ihre Konkretisierung in der Idee der Toleranz gefunden hat. Indem die Reformation in ihrer Konsequenz so zur Gewissensfreiheit f√ľhrte und den Staat zwar noch als von Gott gesetzte, aber schon als von der geistlichen geschiedene Ordnung begriff (Zweireichelehre), hat sie ma√ügeblich zur Entwicklung des heutigen s√§kularen Staatsverst√§ndnisses und (v. a. im Kalvinismus und in den Freikirchen) zur Auspr√§gung freiheitlicher Verfassungsnormen beigetragen.
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Christentum · Humanismus · Kirche
 
 
E. W. Zeeden: Die Entstehung der Konfessionen. Grundl. u. Formen der Konfessionsbildung im Zeitalter der Glaubenskämpfe (1965);
 G. Ritter: Die Neugestaltung Dtl.s u. Europas im 16. Jh. (Neuausg. 1967);
 
Weltwirkung der R., hg. v. M. Steinmetz u. G. Brendler, 2 Bde. (Berlin-Ost 1969);
 E. Wolgast: Die Religionsfrage als Problem des Widerstandsrechts im 16. Jh. (1980);
 R. Wohlfeil: Einf. in die Gesch. der dt. R. (1982);
 E. Iserloh: Gesch. u. Theologie der R. im Grundr. (31985);
 H. A. Oberman: Die R. Von Wittenberg nach Genf (1986);
 H. A. Oberman: Werden u. Wertung der R. Vom Wegestreit zum Glaubenskampf (31989);
¬†R. van D√ľlmen: R. als Revolution. Soziale Bewegung u. religi√∂ser Radikalismus in der dt. R. (Neuausg. 1987);
 H.-J. Goertz: Pfaffenhaß u. groß Geschrei. Die reformator. Bewegungen in Dtl. 1517-1529 (1987);
 R. Stupperich: Die R. in Dtl. (31988);
 
Das Jh. der R. in Sachsen, hg. v. H. Junghans (Berlin-Ost 1989);
 H. Rabe: Reich u. Glaubensspaltung. Dtl. 1500-1600 (1989);
 P. Blickle: Die R. im Reich (21992);
 Heinrich R. Schmidt: Konfessionalisierung im 16. Jh. (1992);
 
Die R. in Dtl. u. Europa. Interpretationen u. Debatten, hg. v. H. R. Guggisberg u. a. (1993);
¬†F. B√ľsser: Die Prophezei. Humanismus u. R. in Z√ľrich, hg. v. A. Schindler (Bern 1994);
 
Handbook of European History 1400-1600. Late Middle Ages, Renaissance and Reformation, hg. v. T. A. Brady jr. u. a., 2 Bde. (Leiden 1994-95);
¬†B. Hamm: B√ľrgertum u. Glaube. Konturen der st√§dt. R. (1996);
 
Humanismus u. Wittenberger R. Festgabe anläßlich des 500. Geburtstages des Praeceptor Germaniae Philipp Melanchthon am 16. Februar 1997, hg. v. M. Beyer u. a. (1996);
 
The Oxford encyclopedia of the Reformation, hg. v. H. J. Hillerbrand, 4 Bde. (New York 1996);
 H. Lutz: R. u. Gegenreformation (41997);
 G. Seebass: Die R. u. ihre Außenseiter. Ges. Aufsätze u. Vorträge, hg. v. I. Dingel (1997).
 
Bibliographie: K. Schottenloher: Bibliogr. zur dt. Gesch. im Zeitalter der Glaubensspaltung 1517-1585, 7 Bde. (1-21956-66).
 
Zeitschriften: Archiv f√ľr R.-Gesch. (1903 ff.);
 
Luther-Jb. (1919 ff.).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
 
Reformation und Reich bis zum Augsburger Religionsfrieden 1555: Wenn du werest in deiner tauff ersoffen
 
D√§nemark und Schweden in der fr√ľhen Neuzeit: Verfeindete Br√ľder
 
Heiliges Römisches Reich deutscher Nation (1495 bis 1618): Ohnmächtiger Riese
 
Luther: Von der Reform zur Reformation
 
Wycliffe und Hus: Vorboten der Reformation
 
Zwingli und Calvin
 
II
Reformation
 
Nachdem die Forderungen nach einer umfassenden Kirchenreform unerf√ľllt geblieben waren, l√∂ste Martin Luther 1517 mit den 95 Thesen √ľber den Ablass (siehe auch Luther: Thesenanschlag und Kampfschriften) eine Reformbewegung aus, die den Rahmen der bestehenden Kirche innerhalb weniger Jahre sprengte. Sie wurde von zahlreichen Reformatoren in alle Teile Deutschlands und dar√ľber hinaus getragen. Allerdings zeigte die Bewegung schon fr√ľh Spaltungstendenzen.
 
Das bedeutendste Zentrum der Reformation neben Wittenberg wurde zun√§chst Z√ľrich, wo Ulrich Zwingli ab 1523 nicht nur die Kirchenordnung, sondern das ganze Gemeinwesen umgestaltete; nach seinem Tod wurde ab 1536 Genf unter Johannes Calvin zum protestantischen Musterstaat. Abgesehen von den Abweichungen von Luthers Lehre trug auch die unterschiedliche Kirchenentwicklung zur Entfremdung zwischen den beiden evangelischen Konfessionen bei. Diese wog umso schwerer, als sie die ohnehin schon gelockerten Bindungen der Schweiz an das Reich weiter schw√§chte.
 
Andere reformatorische Gruppen, die aber meist nur f√ľr kurze Zeit eine Rolle spielten, waren z. B. die sozialrevolution√§r orientierten Zwickauer Propheten, zu denen Thomas M√ľntzer geh√∂rte, und die T√§ufer, die die Erwachsenentaufe praktizierten. Eine vom T√§ufertum beeinflusste Gruppe gr√ľndete 1534 in M√ľnster ein kurzlebiges ¬ĽK√∂nigreich¬ę, das ein gewaltsames Ende fand.
 
Die rasche Ausbreitung der Reformation wurde durch politische Faktoren beg√ľnstigt: Sah sich anfangs der Papst aus au√üenpolitischer R√ľcksicht auf den s√§chsischen Kurf√ľrsten zur Zur√ľckhaltung im Ketzerprozess gegen Luther gen√∂tigt, so wurde sp√§ter Kaiser Karl V. immer wieder durch die politische Lage an der Bek√§mpfung der Reformation gehindert. Nachdem der Sieg der Landesherren im Bauernkrieg 1525 ihre Stellung erheblich gest√§rkt hatte, nahmen die evangelischen Reichsst√§nde den Reichstagsbeschluss von Speyer 1526 (der die Religionsfrage bis zum erwarteten Konzil der Gewissensentscheidung der Reichsf√ľrsten √ľberlie√ü) zum Anlass, in ihren Gebieten eine obrigkeitliche Kirchenordnung, das ¬Ľlandesherrliche Kirchenregiment¬ę, aufzubauen. Nach kurs√§chsischem Vorbild wurden Visitationen durchgef√ľhrt, das hei√üt, von den Landesherren eingesetzte Kommissionen pr√ľften die Situation in den Gemeinden, veranlassten einheitliche Vorschriften f√ľr Gottesdienst, kirchliche Lehre, Schulunterricht und anderes und registrierten den Kirchenbesitz, den die Landesherren allerdings nicht immer f√ľr gemeinn√ľtzige Zwecke verwendeten.
 
Daneben setzte die politische Parteibildung der Konfessionen ein. Als Ferdinand I. auf dem Reichstag in Speyer 1529 den Beschluss von 1526 r√ľckg√§ngig zu machen versuchte, legten die Evangelischen eine ¬ĽProtestation¬ę vor, von der sie die Bezeichnung Protestanten erhielten. Im n√§chsten Jahr unterbreiteten die Lutheraner Karl V. in Augsburg eine Zusammenfassung ihrer Lehre, das Augsburger Bekenntnis, dem eine vom Kaiser akzeptierte ¬ĽConfutatio¬ę (= Widerlegung) entgegengestellt wurde. Da der Kaiser weiteren Widerstand in der Religionsfrage als Landfriedensbruch verurteilte, schlossen sich viele lutherische Reichsst√§nde 1531 zur Verteidigung im Schmalkaldischen Bund unter F√ľhrung Hessens und Kursachsens zusammen. Nach mehrmaligem Aufschub - als Gegenleistung f√ľr protestantische Hilfe gegen die T√ľrken - konnte Karl erst 1546 milit√§risch gegen die Schmalkaldener vorgehen, doch trotz deren vollst√§ndiger Niederlage war weder an eine Teilnahme der Protestanten an dem 1545 er√∂ffneten allgemeinen Konzil noch an eine religi√∂se Kompromissl√∂sung im Reich zu denken. Dem Herrschaftsanspruch des Kaisers widersetzten sich auch katholische F√ľrsten, sodass eine ¬ĽF√ľrstenverschw√∂rung¬ę 1551/52 Karl zum Einlenken zwang. Der Augsburger Religionsfriede best√§tigte 1555 die konfessionelle Spaltung Deutschlands.
 

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Re|for|ma|ti|on, die; -, -en [lat. reformatio = Umgestaltung, Erneuerung, zu: reformare, ‚ÜĎreformieren]: 1. <o. Pl.> religi√∂se Erneuerungsbewegung des 16. Jahrhunderts, die zur Bildung der evangelischen Kirchen f√ľhrte. 2. (bildungsspr. veraltend) Erneuerung, geistige Umgestaltung, Verbesserung: eine R. an Haupt und Gliedern.

Universal-Lexikon. 2012.

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